{"id":1860,"date":"2015-06-12T17:15:34","date_gmt":"2015-06-12T15:15:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/?p=1860"},"modified":"2015-06-15T12:23:28","modified_gmt":"2015-06-15T10:23:28","slug":"leiden-fuer-den-zauber-der-manege-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/?p=1860","title":{"rendered":"Nach Elefanten-Attacke: Diskussion \u00fcber Leiden f\u00fcr den \u201eZauber der Manege\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wildtierhaltung im Zirkus ist Tierqu\u00e4lerei \u2013 Tiersch\u00fctzer und Tierschutzorganisationen wie der Bund Deutscher Tierfreunde e.V. fordern <a href=\"https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1861\" src=\"https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-150x150.jpg\" alt=\"tiger\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-172x172.jpg 172w, https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-67x67.jpg 67w, https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-156x156.jpg 156w, https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-65x65.jpg 65w, https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-38x38.jpg 38w, https:\/\/www.bund-deutscher-tierfreunde.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tiger-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a> auch in Deutschland ein Verbot. Nach der Elefanten-Attacke vom Wochenende ist die Diskussion \u00fcber die Haltung von Wildtieren in einem Zirkus voll entbrannt. Die Elefantenkuh &#8222;Baby&#8220; hatte am Samstag nach seiner Flucht in Buchen im Odenwald einen <span class=\"nowrap\">65<\/span> Jahre alten Spazierg\u00e4nger get\u00f6tet. Unklar war zun\u00e4chst, ob das Tier nicht richtig eingesperrt war oder wom\u00f6glich herausgelassen wurde. Angaben zum Zustand des Geheges machte die Polizei nicht. Die Ermittler hatten nach dem Vorfall ein Fremdverschulden nicht\u00a0ausgeschlossen. Der Zwischenfall hat die Diskussion um Wildtiere neu entfacht.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung\u00a0stand schon vor der Attacke\u00a0hinter der Forderung der Tierschutzorganisationen: Etwa zwei Drittel der Deutschen finden es nicht gut, wenn Wildtiere wie Elefanten, Giraffen oder Tiger in Zirkusbetrieben gehalten werden. Lediglich 15 Prozent \u00e4u\u00dfern keine Bedenken. Das ergab eine repr\u00e4sentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Magazins Frontal21. Und andere europ\u00e4ische L\u00e4nder machen es vor. Die Niederlande haben beispielsweise ein Wildtierverbot bei Zirkusveranstaltungen beschlossen, das im September dieses Jahres in Kraft tritt. Mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder haben in den letzten Jahren ebenfalls solche Verbote verh\u00e4ngt. Darunter Belgien, \u00d6sterreich und Finnland. In Gro\u00dfbritannien d\u00fcrfen Zirkusse vom 1. Dezember 2015 an keine Wildtiere mehr haben. In Europa haben 18 L\u00e4nder bereits alle oder bestimmte Tierarten in Zirkusbetrieben verboten.<\/p>\n<p>Wildtiere leiden unter der Haltung in engen Zirkusgehegen und -wagen, fragw\u00fcrdigen Dressurmethoden, stressigen Auftritten und permanenten Transporten. Es kommt immer wieder zu Tierschutzverst\u00f6\u00dfen bei fahrenden Zirkussen. Doch noch immer sind die gesetzlichen Regelungen zur Zirkustierhaltung in Deutschland nur unverbindlich und absolut unzureichend. Doch inzwischen br\u00f6ckelt die ablehnende Haltung in der Regierungskoalition. Christina Jantz, tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, fordert ein Verbot: \u201eWir werden das auch in dieser Legislaturperiode wieder versuchen, anzugehen.\u201c Auch die Opposition bef\u00fcrwortet ein Verbot. Die CDU\/CSU steht jedoch noch immer auf der Bremse. Obwohl auch Zirkusunternehmer ein Verbot begr\u00fc\u00dfen und sogar erfolgreich ohne Wildtiere auskommen. So etwa der Zirkus Roncalli. F\u00fcr Bernhard Paul, Mitgr\u00fcnder und Zirkusdirektor des Circus Roncalli, sind Wildtier-Auff\u00fchrungen im Zirkus nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Viele deutsche St\u00e4dte haben das Elend der Tiere hinter Kulissen der Zirkuswelt erkannt und angesichts der Blockadehaltung des zust\u00e4ndigen Ministeriums kommunale Verbote f\u00fcr Wildtiere im Zirkus erlassen. St\u00e4dte wie Heidelberg, Worms, Potsdam, Speyer und viele andere vergeben keine \u00f6ffentlichen Fl\u00e4chen mehr an Zirkusbetriebe, die mit bestimmten Wildtierarten anreisen.<\/p>\n<p>In Deutschland gibt es mehr als 200 Wanderzirkusse, in denen Tiere zur Schau gestellt oder vorgef\u00fchrt werden. Immer wieder auftretende Tierschutzprobleme betreffen die Tierhaltung (Unterbringung, Einzelhaltung, Bewegungs- und Besch\u00e4ftigungsmangel), die Dressur und die Versorgung der Tiere (Ern\u00e4hrung, Pflege, tier\u00e4rztliche Betreuung).<\/p>\n<p>Wildtiere im Zirkus auch nur ann\u00e4hernd art- oder tiergerecht zu halten ist nicht m\u00f6glich. Typische Zirkustiere wie Elefanten oder Raubkatzen haben in freier Natur sehr gro\u00dfe Reviere und legen t\u00e4glich viele Kilometer zur\u00fcck. Diese gro\u00dfen und die Freiheit liebenden Tiere werden im Zirkus hinter Gitter und Elektroz\u00e4une gesperrt; in den N\u00e4chten oft angekettet, so dass ihnen jegliche Bewegungsfreiheit fehlt. Am Tag besteht ihre Abwechslung aus nicht artgerechten Bewegungsabl\u00e4ufen in der Manege, bei fragw\u00fcrdigen Werbeeins\u00e4tzen und brutalen Dressuren. Ansonsten ein trostloses Dahinvegetieren. Das Argument der Zirkusbetreiber, Zirkus und Zoo w\u00fcrden eine wesentliche Rolle in der Arterhaltung von Wildtieren spielen, ist schlicht falsch. F\u00fcr die Gefangennahme von wild lebenden Tieren wie Elefanten, Affen oder Nilpferden m\u00fcssen die M\u00fctter der Tiere ermordet werden. James Fisher, stellvertretender Direktor des Londoner Zoos, sagt, dass f\u00fcr einen gefangenen Orang-Utan vier weitere ums Leben kommen. Auch die Sterberate beim Transport ist sehr hoch. \u00a0Seit Beginn des 20. Jahrhunderts decken die Zoos einen Teil ihres Bedarfs an exotischen Tieren mittels deren Zucht in Gefangenschaft ab. Dadurch wird die Illusion erzeugt, dass solche Unternehmen Wohlt\u00e4tigkeitsarbeit f\u00fcr Tiere leisten. Dies ist auch das Hauptargument von Zirkusunternehmen, um ihr Gesch\u00e4ft mit Tieren zu rechtfertigen. Tatsache ist jedoch, dass Zirkusse in der Arterhaltung keine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Die meisten Wildtiere sind auf sehr viel Raum angewiesen; sie m\u00fcssen laufen, springen oder klettern, schwimmen oder fliegen. Diese Bed\u00fcrfnisse k\u00f6nnen in einem Zirkus kaum erf\u00fcllt werden, da dazu ganz einfach der Raum fehlt. Man muss kein Experte sein, um zu realisieren, dass es einem Zirkus nicht m\u00f6glich ist, diesen Bed\u00fcrfnissen gerecht zu werden. Es ist klar, dass in keiner Tabelle abzulesen ist, wie viel Raum welche Tierart tats\u00e4chlich ben\u00f6tigt, doch ist offensichtlich, dass die K\u00e4fighaltung in Zirkussen einem Wildtier nicht gerecht werden kann. Jeder Zirkus reist. Ein paar Monate verbringen die Tiere aber im \u201elangweiligen\u201c Winterquartier &#8211; im Fr\u00fchjahr, Sommer, Herbst wird dann von Stadt zu Stadt gezogen. Der Aufenthalt dauert meist nur ein paar Tage. Dadurch, dass die transportiert werden, m\u00fcssen sie \u00fcber lange Strecken in kleinstm\u00f6glichen K\u00e4figen eingepfercht werden.<\/p>\n<p>Auch die sogenannte \u201esanfte Dressur\u201c, der sich besonders die namhaften Unternehmen der Branche r\u00fchmen, ist nur ein M\u00e4rchen und niemals tiergerecht. Es ist nicht m\u00f6glich einen Elefanten durch freundliches Zureden allein dazu zu bewegen, sich mit seinem ganzen Gewicht einbeinig auf einem Schemel zu erheben oder einen Kopfstand zu machen. Deutsche Gerichte untersagen solche \u201eDressuren\u201c deshalb immer h\u00e4ufiger als Tierqu\u00e4lerei. Angst vor dem Peitschenknall und der bevorstehenden Strafe durch den Dompteur sind wohl eher die Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese \u201eKunstst\u00fccke\u201c. Es ist kaum m\u00f6glich, die Peitsche als Mittel zum gewaltfreien Umgang und \u201esanfter Dressur\u201c mit Tieren zu bezeichnen. Dressur ist immer mit Gewaltaus\u00fcbung verbunden.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig haben es in Deutschland nur die Verbraucher hat in der Hand, das Tierleid zu beenden. Sie m\u00fcssen f\u00fcr sich selbst entscheiden, ob Ihnen Ihr pers\u00f6nliches Vergn\u00fcgen an einer Zirkusvorstellung so wichtig ist, dass Sie daf\u00fcr das grauenhafte Leid dieser Tiere in Kauf nehmen. Zirkus kommt auch ohne Tiere aus. Es gibt tolle und sehenswerte Artistik- und Clownnummern ohne Tiere. Gro\u00dfe und erfolgreiche Zirkusbetriebe kommen seit Jahren ohne Tiernummern aus und haben trotzdem oder sogar deshalb regelm\u00e4\u00dfig ausverkaufte Vorstellungen. \u201eManege frei \u2013 aber ohne Tiere\u201c \u2013 lautet deshalb das Motto.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wildtierhaltung im Zirkus ist Tierqu\u00e4lerei \u2013 Tiersch\u00fctzer und Tierschutzorganisationen wie der Bund Deutscher Tierfreunde e.V. fordern auch in Deutschland ein Verbot. 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